Deutschland-Studie Taschendiebstahl: fast 165.000 Delikte / Nur etwa 10% der Straftaten werden angezeigt / Straftatenexplosion in Berlin / BRD: 51 Mio. Euro Schaden

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Der Schock sitzt tief, wenn man erkennt, dass die Geldbörse, das Handy oder die Autoschlüssel beim Einkaufsbummel geklaut wurden. Die Gedanken kreisen, wo und wann der Dieb zugeschlagen haben könnte. Jedoch ohne Chance. Denn mittlerweile werden die Straftaten derart professionell von gut organisierten Diebesbanden durchgeführt, dass bereits die Polizei in Berlin nur noch Diebstahls-Anzeigen nachgeht, die Aussicht auf Ermittlungserfolg haben. Auf den Punkt gebracht heißt das: fast gar nicht. (1)

Fakt ist: Deutschland kämpft seit Jahren, besonders seit Öffnung des Schengenraumes nach Osteuropa, mit anhaltend hohen Taschendiebstahlquoten jenseits der 100.000 angezeigten Straftaten. So wundert es nicht, dass seit 2012 ein steter jährlicher Zuwachs von rund 12.000 Delikten zu verzeichnen ist, wobei laut Experten nur rund 10% der Delikte überhaupt bei der Polizei vorgebracht werden. Oft ist den Opfern gar nicht bewusst, dass die sogenannte Organisierte Kriminalität hinter dem Diebstahl steckt. (2, 3, 4)

Erstmals hat das Schnäppchen- und Restposten-Portal shopping.de über 400 Städte und Kreise in Deutschland zum Thema Taschendiebstahl untersucht. Fazit: Nicht nur Großstädte stehen im Fadenkreuz der Kriminellen, auch zahlreiche Landkreise haben ihre liebe Not mit den Taschendieben. Die Studienmacher sind zu der Überzeugung gekommen, dass Taschendiebstähle seit Langem keine Bagatell-Straftaten mehr sind. Deren hohe Anzahl ist durchaus auch ein Spiegelbild des Landes. Dennoch stehen die Delikte und die Organisierte Kriminalität noch immer außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung – vor allem in den Medien.

Taschendiebstahl-Top-10

Klau-Hochburgen: Düsseldorf, Berlin, Hamburg, Köln, Wuppertal, Dortmund, Gelsenkirchen, Bonn, Kreis Aachen, Regionen Saarbrücken & Hannover, Heidelberg, Rhein-Sieg-Kreis

Was hat Düsseldorf an Rekorden zu bieten – außer der angeblich längsten Theke der Welt? Eine rekordverdächtige Taschendiebstahlquote! Und das schon seit Jahren. Nirgendwo in der Republik ereignen sich so viele Diebstähle pro Einwohner wie in der NRW-Landeshauptstadt. Im Jahr 2016 waren es 1.314 Straftaten je 100.000 Einwohner (8.041 Taschendiebstähle insgesamt). Keine Eintagsfliege – das hohe Niveau ist gleichbleibend: 8.605 (2015), 8.141 (2014) und 8.299 (2013). Wie in Stein gemeißelt sind auch die schlechte Aufklärungsquote und die hohe Anzahl nichtdeutscher Tatverdächtiger (TV): 5,3% Aufklärung und 85,8% nichtdeutsche TV.

Ähnlich frustrierend sieht es in zahlreichen anderen Städten aus. Berlin (Platz 2) verzeichnete 1.271 Straftaten je 100.000 Einwohner. Grundlage hierfür sind sagenhafte 44.722 Taschendiebstähle in 2016 – das ergibt fünf Anzeigen pro Stunde – statistisch betrachtet. Ein Jahr zuvor waren es „nur“ 40.399, im Jahr 2014 fast schon „mickrige“ 32.121. Das bedeutet einen Zuwachs von mehr als 12.000 Straftaten innerhalb von zwei Jahren.  Es folgen Hamburg (1.032 je 1000.000 EW, absolut: 18.452) und Köln (937 je 1000.000 EW, absolut: 9.941). Wobei Köln durchaus einen passablen Rückgang der Straftaten von 14.052 (2014) auf unter 10.000 in 2016 zu verzeichnen hat.

Weitere von shopping.de errechnete Hochburgen sind unter anderem: Wuppertal (625 je 1000.000 EW, absolut: 2.187), Dortmund (611 je 1000.000 EW, absolut: 3.584), Gelsenkirchen (585 je 1000.000 EW, absolut: 1.524), Bonn (553 je 1000.000 EW, absolut: 1.762), Heidelberg (516 je 1000.000 EW, absolut: 807), Bremen (490 je 1000.000 EW, absolut: 2.733), Frankfurt am Main (486 je 1000.000 EW, absolut: 3.559), Duisburg (405 je 1000.000 EW, absolut: 1.988), Freiburg im Breisgau (400 je 1000.000 EW, absolut: 905), Mannheim (398 je 1000.000 EW, absolut: 1.216), Essen (382 je 1000.000 EW, absolut: 2.224), Münster (379 je 1000.000 EW, absolut: 1.174), Hagen (367 je 1000.000 EW, absolut: 694), Mainz (364 je 1000.000 EW, absolut: 763), Karlsruhe (343 je 1000.000 EW, absolut: 1.056), Koblenz (337 je 1000.000 EW, absolut: 379), Stuttgart (321 je 1000.000 EW, absolut: 2.002), Osnabrück (295 je 1000.000 EW, absolut: 479), Kassel (294 je 1000.000 EW, absolut: 583), Braunschweig (286 je 1000.000 EW, absolut: 720), Siegen (286 je 1000.000 EW, absolut: 293), Leipzig (286 je 1000.000 EW, absolut: 1.602) und Bielefeld (286 je 1000.000 EW, absolut: 951).

Taschendiebstahl in 402 Städten und Kreisen

Taschendiebstahl in 402 Städten und Kreisen (alphabetische Reihenfolge)

Klau-Hochburgen Kreise: Regionen Aachen, Saarbrücken und Hannover, die Kreise Uelzen, Düren, Lüneburg, Dahme-Spreewald, Pinneberg

Shopping.de hat erstmals auch alle deutschen Landkreise in den Vergleich einbezogen. So ist die Städteregion Aachen (285 Straftaten je 100.000 EW, absolut 1.578) der gefährlichste Landkreis beim Thema Taschendiebstahl (Platz 27) in Deutschland. Wichtig ist hier, dass die Stadt Aachen mit 1.328 Anzeigen maßgeblich zu dem hohen Niveau beiträgt. Ähnlich auch beim Regio-Verband Saarbrücken (285 je 100.000 EW, absolut 932). Davon entfallen allein schon 788 Straftaten auf die kreisangehörige Stadt Saarbrücken. Auch die Stadt Hannover (absolut: 2.073 Delikte) lässt die gleichnamige Region mit einer Quote von 211 Diebstählen je 100.000 EW und einem absoluten Wert von 2.416 Straftaten nicht gut aussehen (Platz 40). Es folgen die Kreise Uelzen (200 Delikte je 100.00 EW, absolut 186), Düren (194 je 100.000 EW, absolut 511), Paderborn (159 je 100.000 EW, absolut 483), der Rhein-Sieg-Kreis (145 je 100.000 EW, absolut 912), Lüneburg (152 je 100.000 EW, absolut 275), Dahme-Spreewald (151 je 100.000 EW, absolut 248), der Rhein-Kreis Neuss (145 je 100.000 EW, absolut 654), Recklinghausen (145 je 100.000 EW, absolut 893) und Unna (143 je 100.000 EW, absolut 566).

Klauarme Städte und Kreise / hier klaut der deutsche Ganove noch selbst

Vier Landkreise führen das Ranking der sicheren Kommunen beim Thema Taschendiebstahl an. Mit – statistisch betrachtet – nur fünf Diebstählen je 100.000 EW liegen die Kreise Hildburghausen, Unstrut-Hainich, Greiz und Straubing-Bogen im sicheren Bereich. Alle vier Kommunen haben auch absolut betrachtet ein verschwindend geringes Diebstahlaufkommen von 3 bis 5 angezeigten Delikten im Jahr. Eine Besonderheit bei vielen von shopping.de als sicher eingeordneten Kommunen: Hier klauen – wenn überhaupt – die Deutschen noch selbst: 0,0% nichtdeutsche Tatverdächtige! Es sei aber angemerkt, dass ein Großteil der sicheren Kommunen weit ab vom Schuss liegt und unüberschaubare Menschenansammlungen eher Seltenheitswert haben. Vielmehr sind es Gelegenheitsdiebe, nicht wie in den Metropolen gut organisierte Banden. Die „sicherste Stadt“ mit über 100.000 Einwohner ist Salzgitter (Platz 221) mit einer Quote von 38 Straftaten je 100.000 Einwohner (absolut: 38), gefolgt von Fürth (Platz 215) mit 39 Delikten je 100.000 EW (absolut: 48).

 

Taschendiebstahl in 402 Städten und Kreisen

Taschendiebstahl in 402 Städten und Kreisen (alphabetische Reihenfolge)

Traurige Zahlen – seit Jahrzehnten / Es wird immer schlimmer

Fakt ist: Innerhalb der vergangenen 30 Jahre stieg die Diebstahlquote um 528% an. Beschauliche 26.239 Delikte zählte man 1987 im früheren Bundesgebiet. Im Jahr des DDR-Beitritts waren es fast 51.000. Zum ersten Mal sechsstellig wurde es 1993 (100.984 Straftaten), die 150.000 knackte man im Jahr 2014. Die Anzahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen stieg zwischenzeitlich auf 77% (1992). Auffällig zu dem Zeitpunkt: 53% der Tatverdächtigen besaßen den Status Asylbewerber.

Seit Öffnung des Schengenraums nach Osten, im Dezember 2007, läuft die Straftatenerfassung unter Volldampf (2008: 91.609, 2010: 104.145, 2012: 117.277, 2014: 157.069).  Mittlerweile sind es fast 165.000 angezeigt Taschendiebstähle.  Auch die Anzahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen ist, nach einem kurzen Abflauen in den Jahren von 2000 bis 2009 (zwischen 52% und 57%), wieder bei 76% im Jahr 2016 angekommen.

Ungeliebt in der öffentlichen Wahrnehmung sind auch diese polizeilichen Zahlen: 40% der ermittelten nichtdeutschen TV kommen vom Balkan oder aus Osteuropa, 33% aus den sogenannten Maghreb-Staaten (inkl. Libyen) und 10% aus dem Nahen und Mittleren Osten (Daten für 2016). Ähnlich auch in 2015: 40% (Maghreb), 37% (Balkan und Osteuropa), 9% (Naher und Mittlerer Osten).

Die Aufklärungsquoten sind seit 30 Jahren ein fortwährendes Trauerspiel. Nur ein einziges Mal schafften es die Behörden – landesweit – in den zweistelligen Bereich: 10,2% (1988). Die restlichen Jahre bewegten sich die Quoten zwischen 4,4% und 9,6%.

Öl ins Feuer gießt man mit den neuesten Zahlen zu Grenzkontrollen während des G20-Gipfels. Hier zeigt sich, wie wirkungsvoll Grenzkontrollen sein können: So wurden etwa 782 mit Haftbefehl gesuchte Personen aufgefunden. (5)

Schadenssummen und Beute

Dass Taschendiebstähle schon längst keine Bagatell-Straftaten mehr sind, belegen auch die Schadenssummen. Verzeichnete man vor sechs Jahren (2011) noch eine Schadenssumme von 29,5 Mio. Euro, schoss der Betrag geradezu bis auf 51,4 Mio. Euro im Jahr 2016. Das ist ein Anstieg um mehr als 21 Mio. Euro. Schaut man einmal genauer hin, so ergibt sich bei der ergaunerten Beute folgendes Bild. Die Masse der Straftaten (45,8%) verursacht einen Schaden zwischen 50 Euro bis unter 250€. Fast gleichauf liegen Schadenssummen von 250 Euro bis unter 500  Euro (20,7%) und die Summen von 500 bis unter 2.500 Euro (21,3%). 11,6% entfallen auf Schäden bis zu 50 Euro. 0,6% auf Schäden von mehr als 2.500 Euro. Alle Achtung: Im Jahr 2016 verzeichneten die Behörden sogar 23 Taschendiebstähle mit einer Schadenssumme von mehr als 25.000 Euro.

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